Wenn ich groß bin, werde ich Humankapital

7. April 2015|Aktuelles, Positionen|

Der Begriff Humankapital bezeichnet Menschen als Horte von wirtschaftlich relevantem Wissen. Er stammt ursprünglich aus der Volkswirtschaft und hat später als Produktionsfaktor in die Betriebswirtschaft Einzug gefunden. Er steht beispielhaft für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die als Konsequenz uns Menschen immer weniger Freiräume lässt. Die Verwertbarkeit unserer Tätigkeit, unserer Zeit und unserer Gedanken steht im Vordergrund.

Mit dem ersten Schultag fängt es an: Noten, Folgsamkeit, Anpassung und Leistung zählen mehr als Neugier und Wissenserwerb. Die Selektion während und nach der Schule zeigt es besonders deutlich: mit hohem sozialen Status, Wohlstand und überdurchschnittlich guten Noten ist der Hochschulzugang einfach. Wer jedoch nicht in akademische Eliten geboren wird, muss viel größere Hürden überwinden. Wettbewerb und Leistungsdruck stehen im Mittelpunkt der Ausbildung und Erziehung. Von Selbstentfaltung kann keine Rede sein, wenn alle durch marktförmige, durchgehend kontrollierte Schablonen gepresst werden.

Bildung ist nicht Systemkonformität, sondern bedeutet auch, die Gesellschaft zu verstehen und mitzugestalten. Sie sollte nicht vom Bildungsgrad und Vermögen der Eltern abhängen, die im paternalistischen Deutschland meist die Bildungsfinanzierung tragen. Und selbst mit dem Hochschulabschluss hört der Finanzierungswahnsinn nicht auf. Viele Promovend*innen müssen ihre Gelder – und damit ihre Stelle – selbst einwerben. Finanzierung durch Drittmittel ist immer ein Auftrag und nimmt der Forschung die Freiheit der Wissenschaft. Die Konsequenz sind wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, die als unternehmerische Subjekte agieren, statt frei zu forschen.

Insgesamt regulieren Bildungseinrichtungen den Zugang zu (unnötigerweise) verknappten Ressourcen über Schein-, Privilegien und Berechtigungssysteme. Sie selektieren nach wirtschaflicher Anpassungsfähigkeit und zwingen die Schüler*innen und Student*innen zu Noten und Prüfungen, in das dreigliedrige Schulsystem und die Unterteilung in verschiedene Hochschultypen. Hinter diesen Maßnahmen steht die Ideologie, Menschen nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit auszuwählen, oder sie an die jeweils vorfindliche Arbeitsweise anzupassen.

Um möglichst freigeistige Bildungskonzepte zu ermöglichen fordern wir:

  • Die Demokratisiertung der Bildungseinrichtungen
  • Die Abschaffung von Noten-, Prüfungs- und Leistungszwängen
  • Stärkere Fokussierung auf persönliche Talente, statt auf marktorientiertes Lehren
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