Kongress /Lernen am Limit/

Wir wollen euch herzlich zum Lernfabriken…meutern! Kongress „Lernen am Limit. Bildung, Leben und Arbeit im Kapitalismus“ vom 23.-25.11.2018 ins Naturfreundehaus Hannover einladen. 

Auf dem Kongress wollen wir uns aus einer bildungspolitischen Perspektive mit den Themenbereichen Ökonomisierung, Sorgearbeit und Antifaschismus beschäftigen. (Klingt komisch!? Hängt aus unsere Sicht aber zusammen. Wie genau werden wir gemeinsam auf dem Kongress erörtern.) Dazu werden wir unter anderem der Frage nachgehen, welche Funktionen Bildung und Wissenschaft im Kapitalismus haben, denn um selber politisch eingreifen zu können, muss der Zusammenhang zwischen Herrschaft, Bildung und Wissenschaft genauer analysiert werden:

Wie könnte Bildung in einer herrschaftsfreien Gesellschaft aussehen? Und wie kommen wir dahin? Wie kann unsere Bildungspolitik zu einer gesellschaftlichen Befreiung beitragen? Außerdem wollen wir uns in verschiedenen Workshops und Vorträgen damit auseinandersetzen, warum Sorgearbeit und Weiblichkeit in dieser Gesellschaft derart abgewertet werden und wie sich das im Bildungswesen ausdrückt. Dazu wollen wir uns mit den Ungleichwertigkeiten der verschiedenen Arbeits- und Ausbildungsbereiche im Bildungswesen befassen, um am Ende gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, wie sich Arbeit und insbesondere Sorgearbeit neu organisieren lässt.

Weiterhin stellt sich die Frage, wie Bildung zu autoritären Einstellungen beiträgt, welche Bildungsprogramme von rechts zu erwarten sind und wie bestehende Institutionen für eine antifaschistische Bildung genutzt werden können. Stattdessen werden momentan patriarchale Tugenden wie ‚Härte‘ und ‚Durchsetzungsfähigkeit‘ vermittelt, um uns immer weiter in die Selbstoptimierung und Selbstausbeutung zu treiben.

Wir hoffen, möglichst viele von euch motiviert in Hannover zu sehen!
Auch wenn wir schon eine ganze Reihe von Ideen und Vorschlägen zum Programm haben, lebt Lernfabriken meutern und damit auch dieser Kongress vom Engagement aktiver und interessierter Menschen. Bringt also gerne eigene Themen mit ein, organisiert selber einen Workshop oder gebt uns Hinweise, was eurer Meinung nach inhaltlich zu kurz kommt. 
 
Für den Kongress wird kein Teilnahmebeitrag erhoben, d.h. Übernachtung und Verpflegung sind frei. Solltet ihr keine Gruppe haben, die eure Fahrkosten übernimmt, lässt sich auch da was machen.
Bitte meldet euch zeitnah hier an: Anmeldung

Und darum geht’s

Ökonomisierung

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Bildung hat in der bürgerlichen* Gesellschaft von jeher die Funktion, Menschen u.a. zu leistungsfähigen Arbeitskräften und treuen Staatsbürger*innen zu machen. Außerdem sortiert das Bildungssystem Menschen so ein, dass es manche gibt, die viele Ressourcen und Zugänge auch zu ökonomischem Kapital haben, und andere davon ausgeschlossen werden. Auch Wissenschaft soll ökonomisch verwertbar sein und muss deshalb eine Grundlage für wirtschaftliche Produktion bieten können, um relevant zu erscheinen. Dennoch enthalten beide Begriffe einen unhintergehbaren, emanzipatorischen Gehalt. Wissenschaft und Bildung haben selbst in unserer Alltagsvorstellung den Zweck, unsere Handlungs- und Kooperationsfähigkeit zu erweitern sowie unsere Selbstbestimmung zu erhöhen. Die konkreten Ausgestaltungen von Uni, Schule und Ausbildung bleiben daher umkämpft. Wer die Geschichte dieser Institutionen verfolgt, wird erkennen, dass sie starken Wandlungen unterzogen wurden. 
Um selber politisch eingreifen zu können, wollen wir den Zusammenhang zwischen Herrschaft, Bildung und Wissenschaft genauer analysieren. Wie sorgen die konkreten Institutionen dafür, dass Herrschaft verfestigt und verstetigt wird? Inwiefern folgen sie den Anforderungen der modernen Gesellschaftsordnung? Und inwiefern bleibt der Erkenntnisprozess widerständig? Was gibt es für Handlungsspielräume im und Alternativen zum Bestehenden? Wie könnte Bildung in einer herrschaftsfreien Gesellschaft aussehen? Und wie kommen wir dahin? Wie kann unsere Bildungspolitik zu einer gesellschaftlichen Befreiung beitragen?

* Unter der „bürgerlichen Gesellschaft“ verstehen wir eine Orts- und Zeitgebundene Geseschaftsstruktur, die sich erstmal in der frühen Neuzeit heraugebildet hat. Geschichtlich wird dieses Zeitalter mit der Renaisance, der Aufklärung, der Industrialisierung und den verschiedenen Revolutionen (in England, USA und Frankreich) begründet. Im Rahmen dieser historischer Ereignisse wird dem Kapitalismus der Weg bereitet und eine männerdominierte Gesellschaft schrittweise aufgebaut. Selbstverständlich ist die geschichtliche Entwicklung kein gradliniger Prozess, der sich mit Logik ableiten ließe. Geschichte ist immer umkämpft. Feministische oder antikapitalistische Kämpfe haben die bürgerliche Gesellschaft von jeher begleitet. Wir glauben, dass es in der Aufklärung und den Revolutionen dieser Gesellschaft auch der Keim für eine solidarische Gesellschaft angelegt ist. Diese konnte bislang allerdings noch nicht verwirklicht werden. Die bürgerliche Gesellschaft beherrscht inzwischen den Globus und dehnt sich tendentiell in alle Winkel der Welt aus. Nichts bleibt von der speziellen Organisationsweise dieser Gesellschaft unberührt.

Sorgearbeit

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Bürgerliche Gesellschaften sind patriarchal organisiert, werden also durch ein System strukturiert, in dem Machtpositionen mehrheitlich von Männern besetzt sind und somit von diesen beherrscht. Männer haben leichter Zugang zu gut bezahlten und prestigeträchtigen Berufen, erhalten für die gleiche Arbeit mehr Lohn und haben darum häufig die ökonomische Verantwortung und Kontrolle über ihre Familien. Mit gesellschaftlich abgewerteten Arbeiten wie Kindererziehung, den Haushalt erledigen, Essen machen und alldenjenigen Tätigkeiten, die die Grundlagen unseres täglichen Lebens bilden, müssen sich Männer in der Regel nicht befassen. Die Sorge um Andere ist soweit abgewertet, dass sie gar nicht als ‚Arbeit‘ im engeren Sinne gefasst wird, erhält doch niemand einen ‚Lohn‘ für diese ‚privat‘ organsierten Sorge- oder Reproduktionsarbeiten. Dabei sind Sorgeaufgaben wie Erziehung, unsichtbare Unterstützungsarbeiten und Pflege für den Bildungsweg sowie die Bildungsinstitutionen essentiell. Weiterhin werden in genau diesen Institutionen wie Schulen und Universitäten, die nicht ohne ein hierarchisch organisiertes Verwaltungssystem und eine interne Kommunikationsstruktur auskommen, die ökonomisch abgewerteten Aufgaben in diesen Bereichen größtenteils von Frauen übernommen. 
Das ist kein Zufall, da Berufe wie ‚Sekretär*in‘ die gleiche Abwertung erfahren, wie z.B. ‚Erzieher*innen‘ – sie werden als ‚weibliche‘ Arbeit, als ‚Arbeit für Frauen‘ wahrgenommen wie die meisten Jobs, die zwar undankbar aber dafür auch noch schlecht bezahlt sind.
Wir wollen uns in verschiedenen Workshops und Vorträgen damit auseinandersetzen, warum Sorgearbeit in dieser Gesellschaft derartig abgewertet wird und wie sich das im Bildungswesen ausdrückt. Dazu wollen wir uns zum einen mit den Arbeitsbereichen im Bildungswesen befassen und zum anderen mit der Vorbereitung auf diese, also mit der Ungleichwertigkeit von Ausbildungen. Und am Ende wollen wir gemeinsam mit euch Lösungen erarbeiten, wie sich Re-/Produktionsarbeit neu organisieren lässt.

Antifaschismus

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Mit der politischen Durchsetzung eines autoritären Wettbewerbs auf allen gesellschaftlichen Ebenen, verändern sich auch die Menschen. In ‚Schulen, Universitäten und in Ausblidungserhältnissen wird ein immer größerer Leistungs- und Verwertungsdruck vermittelt. Patriarchale Tugenden wie Härte und Durchsetzungsfähigkeit spielen hier eine tragende Rolle. Heute geschiet dies aber nicht mehr mit einem Rohrstock der Gehorsam einprügelt, heute sollen Schüler*innen und Student*innen* viel eher Leistungen in einem Wettbewerb erfüllen. Davon zeigt sich unter anderem in standardisierten Tests, die Vergleichbarkeit herstellen sollen und das Prüfregiem der Bolognareform. Der neue Wettbewerb trainiert nicht zuletzt auch auf den Wettbewerb in der Wissenschaft, die sich über besonders unsichere Beschäftigungsverhältnisse auszeichnet. 
Dieses neue „Bildungsprogramm“ und die neuen „Arbeitsverhältnisse“ haben unseres Erachtens verschiedene Effekte: Selbstoptimierung und damit verbundene Selbstausbeutung wird immer stärker vorausgesetzt. Sorgearbeit und Weiblichkeit werden zunehmend abgewertet. Menschen, die noch an Handlungs- und Denkmustern einer veralteten Version des Kapitalismus hängen (also die jüngsten Updates/Rationalisierungen verpasst haben) kommen mit dieser neuen Welt nicht zu recht. Selbst wenn  sie ökonomisch weiterhin erfolgreich sind, fühlen sie sich auf der Abschussrampe. Nicht wenige dieser Menschen suchen Halt in einer romantisierten Vorstellung von früheren Ordnungen, die nun angeblich durch eine schlechtere ersetzt werden. Die heranwachsenden Arbeitskräfte sind angesichts des steigenden Wettbewerbdrucks anpassungswillig und tendentiell konservativ.
Das sind grob formulierte Hypothesen. Wir wollen vor allem den Fragen nachgehen, 
wie Bildung zu autoritären Einstellungen beiträgt, welche Bildungsprogramme von rechts zu erwarten sind und wie die aktuellen Institutionen für eine antifaschistische Bildung genutzt werden könnten.

Kampagnenarbeit – Lernen am Limit (Wohnungsnot)

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Unser Kampagne „Lernen am Limit“ geht drei der offensichtlichsten Missstaende im Bildungswesen an, mit denen die meisten von uns insbesondere im Herbst konfrontiert sind: Ueberfuellte Kurse, Wohnungsnot und geringfüge Ausbildungsfinanzierung (BAföG). Der Kongress wird Raum liefern um die CampusCamps und Vollversammlungen auszuwerten und weitere Schritte zu  beschliessen. Wie tragen wir unsere Forderungen in die Öffentlichkeit?  Wie können wir den noetigen Druck erzeugen, um sie durchzusetzen? Wie sieht unser Zeitplan fuer die kommenden Monate aus? Wichtig ist es, bei diesen Fragen zusammen zu arbeiten, denn nur so koennen wir politische  Ziele erreichen. Wichtig ist uns aber auch, uns weiter zu diesen Themen  zu schulen und unsere Organisationsform kritisch zu durchdenken und ggf.  weiterzuentwickeln. 

Programm

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Hier seht ihr den aktuellen Programmentwurf unseres Kongress. Meldet euch bei uns, wenn ihr weitere Ideen oder Anregungen für den Kongress habt. Auch könnt ihre euch immer an uns wenden, solltet ihr Fragen zum aktuellen Konzept oder der Organisierung haben: info@lernfabriken-meutern.de

Programm

Freitag

17 Uhr Anreise
18 Uhr Abendessen
19 Uhr Eröffnungsplenum
20 Uhr Podium: Bildung. Arbeit und Leben im Kapitalismus
Welche Funktion hat Bildung im Kapitalismus? Warum wird Sorgearbeit systematisch abgewertet? Und wie bedingen Bildung, Wissenschaft und Autoritarismus sich gegenseitig?
21:30 Uhr Freizeitprogramm

Samstag

7:30 – 9:00 Uhr Frühstück
9:00 Uhr Workshops und Vorträge – Grundlagen/ Grundlegende Kritik/ Gesellschaftliche Zusammenhänge
  • Kapitalismus und Bildung
  • Kritisches Unterrichten
  • Theater-Workshop
10:30 Workshops und Vorträge Bildungspolitische Spezialisierung
  • Anja Zürn: Fake Science
  • Patrick Bredl: Zwischen Disziplinierung und Selbstoptimierung – Das neue Lernsubjekt 
  • Katharina Krahe: Antifaschismus und Bildung
12:00 Uhr Mittagessen und Pause
14:00 Uhr Praxiskonzepte und Skill sharing
  • Kübra Cig: Geschlecht und Bildung
  • Emanzipatorische Horizonte in gelschlechterreflektierter Pädagogik
  • Gewalt als politischer Weg (Vortrag zu der 1968er Bewegung)
16:00 Uhr Plenum – Kampagne Auswertung und Planung
18:00 Uhr Abendessen
19:00 Uhr Vorträge und Workshops – Schwerpunkt Sorgearbeit
  • Mandy: Feministisches Organizing I
  • Paul Kraut: Einführung in die Ideen der libertären Pädagogik
  • Vorstellung der Schule für Erwachsenenbildung

Sonntag

7:30 – 9:00 Uhr Frühstück
9:00 Uhr Schwerpunkt: Arbeitsverhältnisse
  • Julia Eksner: Schreibworkshop in Kleingruppe zu eigener Bildugnsbiographie
  • Kevin Kunze: Umvolkung‘, ‚Genderwahn‘ und die Neue Rechte: Wie Verschwörungstheorien den rechten Rand zusammenhalten
  • Angela Koboldt: Privatisierung sozialpädagogischer Ausbildungs- und Studiengänge 
  • Ann Wiesenthal: Ökonomikritische Betrachtung von Sorgearbeit im Bildungssystem
12:00 Mittagessen
13:00  Uhr Schwerpunkt: Utopien
  • Julia Eksner: alternative Lehrmethoden
  • Richard: antiklassismustraing
16:00 Uhr Ende der Konferenz. Wer zeitliche Kapazitäten hat, darf gerne ein bisschen beim Aufräumen helfen. 🙂
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