Diese „Geschlechter-Kacke“ ist eine Frage der Bildung!

12. April 2015|Aktuelles, Positionen|

Erst seit 1900 ist es Frauen in Deutschland überhaupt erlaubt, zu studieren. Doch gerade in der ersten Zeit war das Studieren ein Privileg von Frauen, die aus „gutbürgerlichen“ Familien stammten, da nur sie sich ein Studium leisten konnten. Seitdem öffnen sich zwar die Hochschulen mehr und mehr für Studentinnen, mittlerweile gibt es sogar Studiengänge mit mehr Studentinnen als Studenten, dennoch ist es ein Trugschluss, zu glauben, dies würde eine Gleichstellung schaffen.

Schon das Schulsystem unterstützt das Rollendenken der Gesellschaft. Wenn eine Schülerin gut in naturwissenschaftlichen Fächern ist, wird betont, wie besonders dies doch sei. Ein künstlerisch begabter Schüler gilt ebenso als Sonderfall. Die Folge ist eine Verhärtung des alten Rollendenkens. Obwohl Menschen sich in einer freien Gesellschft zu allem entwickeln könnten, werden sie gegenwärtig in ein geschlechtliches Förmchen gepresst. Das ist ein Grund, warum manche Studiengänge immer noch eine reine Männerdomäne sind. Eine Gesellschaft, in der sich junge Frauen dafür rechtfertigen müssen, beispielsweise Physik zu studieren und junge Männer nicht verstanden werden, wenn sie in der Krankenpflege arbeiten, jagt veralteten Vorstellungen hinterher.

Leider gilt immer noch folgende Regel: Je höher die Gehaltsklasse, desto geringer der Frauenanteil. Dieser Zusammenhang findet sich auch innerhalb eines Faches:
Auch in Fächern, in denen der Großteil der Studierenden weiblich ist, sinkt der Anteil von Frauen. So waren 2012 nur 20,4% der Professor*innenschaft weiblich, bei einem Anteil von 48% Studentinnen. Grund dafür ist eine strukturelle Ausgrenzung von Frauen. So haben Studentinnen statistisch gesehen weniger Geld zur Verfügung als ihre männlichen Kollegen. Bildungsgebühren und ein fehlendes Grundeinkommen trifft sie daher besonders hart. Innerhalb der wissenschaftlichen Karriere zählen Kontakte. Hochpositionierte Männer schieben ihren Kumpels lukrative Jobs und Stipendien zu.

Das Bildungssystem in Deutschland ist also geprägt von einem heteronormativem Weltbild, in dem Männer noch immer die Leistungsträger sind und Frauen sich um Haushalt und Familie kümmern. Das macht sich nicht zuletzt an den Gehaltsdifferenzen zwischen den Geschlechtern bemerkbar. Noch immer bekommen Frauen in Deutschland für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer. Berufe die inzwischen von Frauen dominiert sind, früher aber „reine Männersache“ waren, werden inzwischen schlechter bezahlt. Ein Beispiel dafür ist nicht zuletzt das Lehramt. Früher haben hier Männer den Ton angegeben und in Verbänden, Partein und Gewerkschaften ihr soziale Position gesichert. Nun werden die Arbeitsbedingungen in diesem Berufsfeld immer schlechter.
Wir sagen: Schluss mit (strukturellem) Sexismus!

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