Bildungsmonitor 2018 – Verschlechterung der Bildung oder eine bildungspolitische Messlatte der Arbeitgeber*innen?

28. August 2018|Aktuelles, Material|

Der neueste Bildungsmonitor zur Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme in Deutschland sieht eine deutliche Verschlechterung der Qualität der Bildung. Jedoch sollten Studien immer mit einer Prise Salz genommen und hinterfragt werden. 
Nach Lehrer*innenmangel und Rassismus an Schulen hat sich laut dem Bildungsmonitor 2018 auch die Qualität der Bildung in Deutschland verschlechtert. Gerade die Ergebnisse im Bereich Schulqualität, Digitalisierung, Integration und Bekämpfung der Bildungsarmut fallen schlechter aus. Starke Unterschiede zwischen den Bundesländern existieren auch weiterhin. Laut Bildungsmonitor ist Sachsen das leistungsfähigste Bildungssystem mit Bremen auf dem letzten Platz. Die arbeitgeber*innenfinanzierte „Initiative Neue Sozial Marktwirtschaft“ (INSM), in deren Auftrag der Bildungsmonitor erhoben wird, kritisiert die Bildungspolitik und fordert einen neuen Bildungsaufbruch. 
Gerade wenn man in Deutschland den Investitionsstau, Spar- und Wettbewerbszwänge, sowie den Mangel an Personal – von KiTas bis zu Hochschulen – anschaut findet man überall Mangel im aktuellen Bildungssystem. Jedoch muss man der Studie auch mit Skepsis begegnen. Der Bildungsmonitor untersucht die Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme in den Bundesländern anhand von 93 Indikatoren wie Verfügbarkeit von Ganztagsschulen, Bildungsetat der Länder, Digitalisierungsgrad oder Qualität der Lehre. Viele Bildungsprozesse können mit quantitativen Instrumenten nicht erfasst werden. Individuelle Bildungsformate und damit auch anspruchsvollere kognitive Leistungen gehen dabei tendenziell verloren. Auch ist es fraglich ob man Bildungsarmut zwischen Stadtstaaten wie Berlin oder Bremen mit Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg vergleichen kann. Aspekte wie die Schüler*innenpopulationen, der Anteil von Schüler*innen mit Migrationshintergrund, das Gymnasialsystem, die Fläche oder die wirtschaftliche Lage der Bundesländer machen viel aus. Eine Studie mit dem Leitziel optimale Wachstums- und Beschäftigungsimpulse zu entwickeln und die das Bildungssystem als eine Maschine sieht, um Menschen für die zukünftig benötigten Jobs bestmöglich fit zu machen, ist erstmal eher kritisch zu betrachten. 
Der Drang, Bildung immer mehr vergleichbar zu machen zieht auch klare bildungspolitische Konsequenzen mit sich. Aus diesem Grund ist das Zentralabitur eingeführt worden; Lernstandserhebungen und die Bolognareformen drehen sich um diesen Anspruch. Solche Tests und Prüfungen nehmen immer mehr Raum ein und üben mehr Druck auf die Zukunft der Beteiligten aus. Der Vergleichsbarkeitswahn trägt selbst zur Verschlechterung der Bildungsbedingungen bei. 
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