Ein Projekt – fünf Arbeitsverträge

7. April 2015|Aktuelles, Positionen|

Noch immer ist „Hire and Fire“ das Prinzip der deutschen (Hoch-)Schulen.

Im deutschen Bildungssystem wird massiv gespart. Technische Verwaltung, Hauspflege und Reinigung werden zunehmend ausgegliedert. Die Verantwortung tragen nun Unternehmen, deren Beschäftigte unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Gleichzeitig wird am Beamtenstatus von Lehrer*innen gerüttelt. In einigen Bundesländern sind Lehrer*innen nur noch bloße Angestellte, die für wenige Monate beschäftigt werden, um nach unbezahlten Ferien wieder eingestellt zu werden.

Auch an den Hochschulen ist die Mehrheit aller heute abgeschlossenen Arbeitsverträge leider nur befristet. Es kommt oft vor, dass die Lehrbeauftragten verschwunden sind, bevor die Hausarbeit abgegeben worden ist: Über 50% der Arbeitsverträge an Hochschulen sind heute auf kürzer als ein Jahr angelegt. An Mitbestimmung innerhalb der Bildungsinstitutionen ist unter solchen Bedingungen kaum zu denken.

Wer einen Lehrauftrag übernimmt, arbeitet ohne Kranken- und Rentenversicherung, ohne Arbeitsvertrag und ohne Hochschulmitgliedschaft. Aufträge werden semesterweise vergeben, Sicherheiten gibt es keine. Lediglich die Präsenzstunden in der Veranstaltung werden vergütet. Manche arbeiten unbezahlt. Existenzängste sind die Folge und belasten Alltag, Arbeit und Gesundheit. Weist man auf diesen Zustand hin, der für die Lehrenden wie für die Student*innen gleichermaßen untragbar ist, sprechen Hochschulleitungen von finanziellen Zwängen und Ministerien von Missbrauch. Sie entziehen sich ihrer Verantwortung, zahlen unter Mindestlohnniveau und halten soziale Standards nicht ein.

Die Frage stellt sich, welche Zukunft für Bildung und Wissenschaft gewünscht ist, denn hohe Fluktuation führt unweigerlich zu schlechter und unbefriedigender Arbeit. Wenn wir Schulen und Hochschulen als Orte begreifen, in denen Menschen als Individuen oder Gemeinschaften kooperativ ihre Fähigkeiten erweitern, müssen dafür die passenden Bedingungen geschaffen werden. Würdevolle Arbeitsbedingungen ohne Befristung sind dabei ebenso notwendig wie eine entsprechende Mitbestimmung aller Mitglieder einer (Hoch-)Schule. Ausbeutung, hohe Arbeitsbelastung und -befristung sorgen hingegen für Angst und Frust, sowie eine Arbeitsmoral, in der gezwungen das Nötigste an Erwartungen mit einer entsprechenden Gleichgültigkeit zur Sache abgearbeitet wird. Dies gilt auch für den Umgang mit Schüler*innen und Student*innen.

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