Antisemitismus an Universitäten

14. Juli 2018|Aktuelles, Material|

Das Antisemitismus immer noch in vielen Köpfen vorherrscht zeigen die neuesten Vorfälle an den Universitäten in Mannheim und Bonn. Schon länger hat der Zentralrat der Juden in Deutschland verschiedene Maßnahmen getroffen um weiteren Vorfällen vorzubeugen. Jedoch gibt es weiterhin Berichte von Rassismus und Antisemitismus im deutschen Bildungssystem. 
Neben einer*m Gleichstellungsbeauftragten gehört eine*r Verantwortliche*r für Diversity-Management mittlerweile zur Grundausstattung an deutschen Universitäten. Doch dass es damit nicht getan ist zeigen die neuesten antisemitischen Vorfälle in Mannheim und Bonn. 
Anfang Juni 2018 hat ein jüdischer Student auf einem Flipchart in der Mannheimer Bibliothek antisemitische Zeichnungen und Parolen gefunden. Dass viele nicht glauben können, dass ein solches Gedankengut noch immer an deutschen Universitäten wiederzufinden ist, zeigen die Kommentare auf Facebook. Viele weisen zwar zu Recht darauf hin, dass die Bibliothek öffentlich zugänglich ist, doch kann man nicht von der Hand weisen, dass die Mannheimer Bibliothek gerade in der Klausurenphase Anfang Juni hauptsächlich von Studierenden besucht wird. Auch war laut Sicherheitsdienst dies nicht der erste Fall in Mannheim. Auch ein weiterer Vorfall an der Uni Bonn zeigt, dass Antisemitismus immer noch ein Problem in Deutschland darstellt. Mitte Juli wurde ein jüdischer Hochschulprofessor aus den USA von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln angegriffen und antisemitisch beleidigt. Anschließend wurde er noch irrtümlich von der Polizei attackiert, die ihn für den Täter hielt. 
Das solche Vorfälle nichts Außergewöhnliches sind zeigen die Sichtungen von antisemitische Schmierereien auf einer Toilette an der TU Berlin im Januar und Februar. 
Diese Vorfälle zeigen, dass auch Bildungseinrichtungen Verantwortung übernehmen müssen und solche Taten aufarbeiten müssen. So hat die Universität Mannheim eine Ringvorlesung im Herbst-Winter Semester 2018 angekündigt, die sich mit der Thematik beschäftigen soll. Doch ob es reicht, erst bei Vorfällen aktiv zu werden und Maßnahmen zu ergreifen? 
Eine Möglichkeit, Antisemitismus schon im Schulalter vorzubeugen wurde von der Kultusministerkonferenz und dem Zentralrat der Juden in Deutschland entworfen. Um Vorurteilen vorzubeugen und Lehrer*innen zu unterstützen wurde eine kommentierte Materialsammlung zur Vermittlung des Judentums in der Schule erstellt. Diese kann unter www.zentralratderjuden-kmk.de abgerufen werden. 
Das Rassismus nichts Neues an Universitäten ist, berichtet auch Natasha A. Kelly, die als Dozentin immer wieder mit Rassismus und kolonialisierten Stereotypen konfrontiert wird. Die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin fordert in einem Interview im Tagesspiegel Antidiskriminierungsstellen und -beauftragte auf Präsidialebene. Auch verlangt sie die Einstellung von Expert*innen, die im deutschen Kontext zu Rassismus forschen (https://www.tagesspiegel.de/wissen/uni-dozentin-natasha-a-kelly-rassismus-betrifft-alle-faecher/20255456.html) und nicht von anderen Ländern eingeflogen werden, als gäbe es das Problem nicht in Deutschland. 
Auch die jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) zeigt sich zutiefst beunruhigt und fordert einen sicheren Campus für jüdische Studierende und Dozierende. 
 
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