3. Bündniskonferenz in Hannover – Kurzbericht

20. Oktober 2017|Material, Protokolle|0 Kommentare

Lernfabriken …meutern!“
– 3. Bündniskonferenz in Hannover

Zum dritten Mal trafen sich vom 29.09. bis zum 01.10.2017 Aktive des Bündnisses „Lernfabriken …meutern!“ zu einer gemeinsamen Konferenz, diesmal in Hannover. Die über 60 Teilnehmer*innen kamen aus lokalen Basisgruppen des Bündnisses sowie überregionalen Arbeitsgruppen oder auch als Interessierte aus Städten ohne aktive Ortsgruppen. Damit war diese Konferenz zwar die kleinste der bisherigen. Dies liegt daran, dass diese Konferenz (anders als die vorherigen) relativ kurzfristig geplant wurde und in den Semesterferien stattfand.

Die Konferenz diente vor allem dazu Konsequenzen aus der Aktionswoche im Juni zu ziehen und das weitere Vorgehen des Bündnisses zu klären. Im Rahmen des Vernetzungstreffens der Basisgruppen in Gießen (21. – 23. Juli) wurde festgestellt, dass eine Massenmobilisierung konkreter Ziele und einer langen Sensibilisierungsphase mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit bedürfe. Daher wurden im Rahmen dieser Konferenz konkrete Zielkataloge für die verschiedenen Bildungsinstitutionen entwickelt, mit denen das Bündnis an die Öffentlichkeit treten kann. Zur inhaltlichen Vorbereitung wurden diverse Workshops, Vorträge und Open Spaces organisiert. Der Fokus lag dabei auf den drei Kernthemen von Lernfabriken …meutern: 1. Entökonomisierung von Bildung, 2. Überwindung der sozialen Ausgrenzung im Bildungssystem, 3. Demokratisierung des Bildungssystems

Zusätzlich wurde in Skillsharing Workshops Strategien zu Öffentlichkeitsarbeit, Gruppenaufbau und Aktionsformen erarbeitet. Aus diesen Workshops bzw. Open Spaces haben sich viele neue Aktive für die überregionalen Arbeitsgruppen (1. Öffentlichkeit, 2. Gruppenaufbau/ -betreuung, 3. Orga/Koordination) gefunden.

Mittelfristige Forderungen des Bündnisses zur Berufsausbildung:

  • Bisherige Leistungen bzw. Bildungserfahrungen müssen ausreichend berücksichtigt werden. Hierfür müssen eine entsprechende Anerkennung und eine ergänzende Bildungskonzeption erfolgen.

  • Mitbestimmung muss gewährleistet werden, daher fordern wir eine Auszubildenden-Quote in Betriebsräten und Raum im Unterricht für Gewerkschaften und Arbeitsrecht. Repressionen müssen konsequent in die Öffentlichkeit getragen und bekämpft werden.

  • Ausbildungen müssen frei von Diskriminierung sein, daher müssen Bewerbungsverfahren anonymisiert werden. Bewerber*innen aus sozial benachteiligten Gruppen müssen bei gleicher Qualifikation stärker berücksichtigt werden. Krankheiten und Beeinträchtigungen müssen anerkannt werden und dürfen sich nicht negativ auf Ausbildungsleistungen und Zulassungen niederschlagen; zudem muss jeder Ausbildungsbetrieb ein Anti-Diskriminierungskonzept haben.

  • Alle Ausbildungsgebühren müssen abgeschafft werden, da Bildung für alle zugänglich sein muss.

  • Die Ausbildungsvergütung für alle Auszubildenden muss einem Mindestlohn von 10€ entsprechen.

Mittelfristige Forderungen des Bündnisses zur Schule:

  • Unser Ziel ist die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems zugunsten einer inklusiven, demokratischen und sozial gerechten Schule für Alle.

  • Zunächst ist die Mitbestimmung von mindestens 50% der/durch Schüler*innen in allen Schulentscheidungen und schulpolitischen Entscheidungen und Gremien notwendig.

  • Wir fordern, je nach Notwendigkeit, eine Abschaffung von Noten oder eine Ersetzung von Noten durch ein konstruktives Feedbacksystem.

Mittelfristige Forderungen des Bündnisses zur Hochschule:

  • Wir fordern das Ende der Konkurrenz von Hochschulen untereinander und ihre vollständige Kostendeckung.

  • Es muss eine bedarfsgerechte Finanzierung einschließlich der flächendeckenden Schaffung von 50.000 neuen unbefristeten Stellen im akademischen Mittelbau und 7.000 neuen Professuren gewährleistet sein.

  • Wir fordern die Einführung eines bedingungslosen Studierendenhonorars in Höhe von mindestens 840 €* monatlich. Dieses soll unabhängig von Alter, Semesterzahl, Leistung, und Einkommen der Eltern sowie bedarfsdeckend sein und als Vollzuschuss an Student*innen gezahlt werden.

    • *840 € aus der DSW(Deutsches Studentenwerk)-Studie als Mindestanforderung für ein studentisches Leben. Unser festgesetzter Betrag sollte diese Höhe übersteigen.

  • Wir fordern gleichberechtigte Mit- und Selbstbestimmung in allen Hochschul-Gremien und entsprechende Handlungsmöglichkeiten durch Viertelparität.

Zeitplan

Abschließend wurde ein Zeitplan des Bündnisses für die nächsten Monate erarbeitet, um die gemeinsamen Ziele zu verwirklichen. Zunächst liegt der Fokus des Bündnisses auf Öffentlichkeitsarbeit und Gruppenaufbau in diversen Städten. Dazu wird es am 6. Dezember einen dezentralen Aktionstag geben. Des Weiteren sind monatliche Telefonkonferenzen der Basisgruppen geplant, damit diese sich besser über ihre Aktionen und die gemeinsame Öffentichkeitsarbeit austauschen. Vom 26.-28. Januar wird es in Halle eine weitere Protestkonferenz geben. Diese dient unter anderem dazu, inhaltliche Themen für das Frühjahr zu setzen. Denn im April wird das Bündnis dezentrale Aktionen bzw. Bildungsveranstaltungen organisieren, die weniger auf Masse, dafür mehr auf inhaltliche Qualität, Kreativität und professioneller Öffentlichkeitsarbeit wert legen. In diesem Sinne wird die nächste Konferenz auch genutzt, um Fähigkeiten und Wissen zwischen den Basisgruppen und überregionalen Bündnisorganisationen zu vermitteln. (Dabei wird der Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit und Gruppenaufbau gelegt.) Die übernächste Bündniskonferenz soll Ende Mai/Anfang Juni stattfinden, mit einer vorgelagerten Aktionswoche im Frühling.

Im Rückblick wurde die Konferenz in Hannover von allen Teilnehmer*innen sehr positiv bewertet, insbesondere die Atmosphäre sowie die Flexibilität des Organisations- und Moderationsteams auf kurzfristige Impulse einzugehen.

Gut vernetzt, sehr motiviert und mit konkreten Forderungen für ein besseres Bildungssystem startet „Lernfabriken …meutern!“ in den Herbst.

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